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Aktuelle Schließzeiten

Am 29. und 30. Oktober sowie am 5. und 14. November schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Nachlass Brigitte Hamann (ZPH 1705) neu in der Benützung

Brigitte Hamann in ihrer Wohnung in der Tallesbrunngasse, 1995. Foto: Hubert Kluger, Wien.

Rund ein halbes Jahr vor ihrem Tod am 4. Oktober 2016 hat die Wienbibliothek im Rathaus das persönliche Archiv der Journalistin und Historikerin Brigitte Hamann aus Familienbesitz erworben. Unter der Signatur ZPH 1705 werden all jene Materialien versammelt, die in engerem Sinne Bezug zur Bestandsbildnerin haben, nämlich ihre eigenen Arbeiten, Korrespondenzen und Lebensdokumente sowie umfangreiche Materialsammlungen. Ihre außergewöhnliche, über Jahrzehnte aufgebaute Autografensammlung, die tausende teils sehr wertvolle Einzeldokumente aus der Zeit vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, ja sogar ganze Teilnachlässe enthält und Hamanns enorm breit gefächerte Interessensgebiete widerspiegelt, firmiert selbstständig als "Sammlung Brigitte Hamann" (ZPH 1660) und bildet also einen eigenen Bestand. Diese Sammlung wird sukzessive zugänglich gemacht. Bereits 1880 einzelne Inventarnummern lassen sich über den Online-Katalog zum Studium in den Lesesaal der Wienbibliothek bestellen.

Werke in Form von Manu- und Typoskripten

Der Nachlass hält zunächst in 15 Archivboxen Typoskripte und Druckvorlagen von Hamanns Werken, ihren Monographien, Aufsätzen und sonstigen Veröffentlichungen bereit. Leider haben sich die frühen Bücher – also ihre berühmten Biographien zu Kronprinz Rudolf und zu Kaiserin Elisabeth – nicht in Vorstufen erhalten. Allerdings zählen Hamanns eigenhändige Abschriften der Gedichte Elisabeths (gerne mit rotem Kugelschreiber!) zum Bestand, denn sie durfte die Originale, die im Schweizerischen Bundesarchiv Bern liegen, nicht kopieren oder fotografieren. Besonders interessant scheinen die intensiv bearbeiteten Computerausdrucke von "Hitlers Wien" und von "Winifried Wagner oder Hitlers Bayreuth". Von den meisten ihrer Bücher sind zudem akribisch geführte Handexemplare vorhanden, schließlich hat Hamann nicht nur zahlreiche Leserbriefe zu ihren Werken erhalten, sondern sie hat nach Prüfung auch viele Korrekturen und Änderungswünsche in eigenhändigen Annotationen vermerkt, die schließlich meist für neue Auflagen berücksichtigt wurden. Darüber hinaus gilt es auch ihre frühen journalistischen Arbeiten zu erwähnen, die ebenfalls zum Bestand zählen. Denn nachdem sie ihr Studium der Germanistik und Geschichte 1963 in Wien abgeschlossen hatte, kehrte die am 26. Juli 1940 in Essen geborene Hamann in ihre Heimatstadt zurück. Dort absolvierte sie eine journalistische Ausbildung bei der Deutschen Presseagentur und stieg dann bei der Neuen Ruhr-Zeitung in Essen als Redakteurin ein. Im Jahr 1965 heiratete sie schließlich den Historiker Günther Hamann und übersiedelte nach Wien.

Korrespondenzen

Spektakulär sind die Korrespondenzen in Brigitte Hamanns Nachlass. Nicht nur wegen ihres Umfangs. Die rund 20.000 Korrespondenzstücke stammen von 2158 Briefpartnerinnen und -partnern, darunter John S. Kafka, Günter Kahle, Ian Kershaw, John Lukacs, Hans Mommsen, Gustav Nossal, Hinrich Reinstrom, Kurt Erich Schöndorf, John Jerome Stonborough oder Emile Zuckerkandl. Besonders zu erwähnen gilt es das Konvolut ihres Doktorvaters, dem Wiener Historiker Adam Wandruszka (1914–1997), bei dem Hamann 1978 mit der Dissertation "Das Leben des Kronprinzen Rudolf von Österreich-Ungarn nach neuen Quellen" promovierte. Ihre Arbeit erschien im gleichen Jahr unter dem Titel "Rudolf – Kronprinz und Rebell" bei Amalthea und wurde mit dem Heinrich-Drimmel-Preis ausgezeichnet. Ebenfalls hervorzuheben sind die Briefe von Jean-Rudolf von Salis (1901–1996). Dem Schweizer Grandseigneur – in seiner Jugend bereits Briefpartner von Rainer Maria Rilke (!) – hatte Hamann zu verdanken, dass sie den eigentlich gesperrten Nachlass von Kaiserin Elisabeth am Schweizerischen Bundesarchiv einsehen und exzerpieren durfte.

Dank der Korrespondenzen, etwa von Antiquariaten und Auktionshäusern, von Archiven und Bibliotheken, werden Hamanns detailbesessene Recherchen transparent. Die Schreiben von Fernsehen, Hörfunk und allen nur erdenklichen Printmedien zeigen, wie gut es gelang, ihre Erkenntnisse öffentlichkeitswirksam zu verwerten. In dieser Hinsicht sind auch die Briefe von Verlagen und Verlegern erhellend. Hier sollten die beiden umfänglichen Konvolute von Klaus Piper und Wolf Jobst Siedler herausstechen.

Lebensdokumente und Sammlungen

Für biographische Forschungen sind die zahlreichen Lebensdokumente von Brigitte Hamann von ausgesprochener Bedeutung. Ihre deutschen und österreichischen Papiere sind genauso überliefert wie Schulzeugnisse, Studienbücher, Ausbildungs- und Dienstverträge oder 46 Taschenkalender aus den Jahren 1956 bis 2010 (also nicht ganz vollständig). Bemerkenswert ist auch die Sammlung von Fotografien, die Hamann bei verschiedenen Ereignissen und in unterschiedlichsten Personenkonstellationen zeigen. Zu den Sammlungen zählt neben einer riesigen Selbstdokumentation von Artikeln von und über Hamann sowie von Rezensionen ihrer Werke insbesondere eine Flut von Material zu ihren Themenschwerpunkten. Da kann es nicht überraschen, dass Hamann Drehbücher zu den Sisi-Filmen von Ernst Marischka besaß, darüber hinaus aber auch noch Originaldokumente wie Drehpläne ihr Eigen nannte. Da sie zu den Beratern von Michael Kunze gehörte, dem Autor des Elisabeth-Musicals, verwundert es nicht, dass man auch dessen Typoskript mit handschriftlichen Ergänzungen vorfindet. Viele Teile der Sammlungen, vor allem jene zu Kaiser Franz Joseph, stammen selbst von einem Sammler, nämlich von dem 1987 verstorbenen Josef Korzer-Cachée, der in seiner Tätigkeit als Beamter der österreichischen Schlösserverwaltung ein enormes Archiv zusammentrug, von dem Teile an Brigitte Hamann gegangen sind.

Hängeregister

Fast die Hälfte des Nachlasses – nämlich 58 von gesamt 121 Archivboxen – entfällt auf das Hängeregister, das Hamann über Jahrzehnte hinweg gepflegt hat. Rund 1000 Schlagwörter finden sich hier, etwa Personen wie Alfred Hermann Fried und Bertha von Suttner, Familien wie Coburg und Schwarzenberg, Themen wie Pazifismus und Rasse oder schließlich Orte wie Linz. Die Mappen wurden in der vorgefundenen Ordnung übernommen und umfassen teils hunderte von Blatt, wie etwa jene zu Adolf Hitler. Bisweilen finden sich Originaldokumente aus dem 19. Jahrhundert oder Korrespondenzen von Brigitte Hamann zum Thema ebenso wie Fotografien, Zeitungsausschnitte und Texte Dritter. Neben Kopien von Bibliotheks- und Archivrecherchen sind auch eigene Werkentwürfe und Notizen nicht selten.

Benützungsbedingungen

Der Nachlass von Brigitte Hamann unterliegt einer Benützungsbeschränkung. Die Benützung des Materials bedarf der vorherigen Rücksprache mit der Rechteinhaberin und der Vorlage des schriftlichen Plazets. Die betreffenden Kontaktdaten sind bei der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus zu erfragen.

Archiv der Neuerwerbungen 2019

Zerlesenes und intensiv annotiertes Handexemplar ihrer Biographie von Kaiserin Elisabeth.
Studienbuch der ordentlichen Hörerin Brigitte Deitert für das Wintersemester 1961/62 an der Universität Wien.
Ein Blick in Hamanns Hängeregister