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Neuerwerbung Teilnachlass Franz Ippisch (ZPH 1818)

Ippisch jun. mit Familie bei der Überfahrt nach Südamerika, 1939 (ZPH 1818)

Mitte Februar 2020 gelang es der Wienbibliothek im Rathaus, eine zwei Archivboxen umfassende Sammlung zu erwerben, die den bereits seit 1962 im Haus befindlichen Teilnachlass des Wiener Musikers und Komponisten Franz Ippisch (1883–1958) bestens ergänzt. Zudem bereichert das bei einem deutschen Auktionshaus erworbene Material auch die zahlreichen Bestände der Handschriftensammlung zum Exil verfolgter Künstlerinnen und Künstler zwischen 1938 und 1945. Denn Ippisch war Anfang 1939 wegen der jüdischen Herkunft seiner Frau nach Südamerika geflohen, wo er in Guatemala sein Auskommen als Generaldirektor der Polizei- und Militärorchester sowie als Dirigent des Orchesters des Konservatoriums in Guatemala-Stadt fand. Ursprünglich dürften die neu erworbenen und bereits benutzbaren Dokumente aus dem Besitz von Franz Ippisch Jun. stammen, der einige Monate später ebenfalls mit Frau und Kind nach Guatemala emigrierte. "Der 12. Juni 1939 bleibt uns fuer immer so deutlich in Erinnerung", heißt es in einer Art Tagebuch des Sohnes aus den Jahren 1938 bis 1943, "der Tag an dem wir den Boden dieses Landes betreten haben, Gretl trug den kleinen Buben, fast 1 und ein dreiviertel Jahre alt, ich schob seinen kleinen weissen Kinderwagen und sorgte fuer das uebrige Gepaeck. Vom ‚Habboe Jensen‘, dem kleinen norwegischen Frachtdampfer, der uns von Jamaika nach Puerto Barrios gebracht hatte, nahmen wir schon die grosse, blonde Gestalt meines Vaters, der uns dort seit fast drei Tagen erwartete, wahr. Meine Mutter erwartete uns im gemieteten Hause in der Hauptstadt mit Wiener Schnitzeln und Sachertorte und war nicht wieder in die feuchte Schwuele des Hafens heruntergefahren. Der kleine Franzi, der seinen Grossvater seit mehr als sechs Monaten nicht gesehen hatte, erkannte ihn natuerlich kaum und nannte ihn ‚Onkel‘, wie er es mit den Freunden in Holland, in England und dann auf den beiden Schiffen mit sovielen Menschen, die uns freundlich umgeben hatten, gewohnt war."

Außer der aufschlussreichen schriftlichen Dokumentation zum Exil durch Franz Ippisch Jun. gibt es aus dessen Feder drei gebundene autobiographische Typoskripte: "Vom Wandern und von Fahrten" (1908–1935), "Zeitgeschehen und Persönliches" (1934/35) und "Würfelspiel ums Leben. Erinnerungen aus den Jahren 1936 bis 1940". Aber auch von dessen Vater zählt ein gebundenes Autograph mit dem Titel "Ein Musiker-Leben" zum Bestand – hier handelt es sich um eine Rede, die Ippisch im 60. Lebensjahr vor Freunden und Familie in Guatemala gehalten hat.

Ebenfalls wichtig sind zweifelsohne die im Bestand versammelten Lebensdokumente, etwa Identitätspapiere oder Tickets für die Überfahrt ins rettende Exil. Zentral sind aber die fünf erhaltenen Fotoalben mit mehreren hundert Aufnahmen, die Franz Ippisch auf Reisen zur See, zu Lande und in der Luft zeigen und zudem sein Leben in Österreich (etwa seine Zeit als Militärkapellmeister in Salzburg ab 1934), aber auch in der südamerikanischen Emigration bezeugen.

Links in den Katalog

 

Ippisch sen. in Paradeuniform als Generaldirektor der Polizei- und Militärorchester in Guatemala, 30.6.1940 (ZPH 1818)