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Objekt des Monats Mai 2020: "Ein Walzertraum" und ein doppeltes Geburtstagsjubiläum

Felix Dörmann und Oscar Straus zum 150. Geburtstag

Oscar Straus: Langsamer Walzer aus „Ein Walzertraum“, Teil des eigenhändigen Particell-Entwurfs, mit Widmung an Leopold Jacobson; WBR, MS, MHc-14207

"Als Dichter hab ich begonnen, wie das schon üblich ist; / der schöne Traum ist zerronnen, / Jetzt bin ich – ‚Librettist‘". Mit dieser spitzzüngigen Bemerkung urteilte Felix Dörmann (1870–1928) auf einer undatierten Portraitpostkarte über seine Tätigkeit als Operettenlibrettist (WBR, HS, Teilnachlass Felix Dörmann, ZPH 587, Archivbox 3). Begonnen hatte Dörmann, der als Felix Biedermann am 29. Mai 1870 in Wien zur Welt kam, seine Schriftstellerlaufbahn weitaus anspruchsvoller. "Neurotica" (1891) und "Sensationen" (1892), die beiden ersten Lyrikveröffentlichungen des Anfang Zwanzigjährigen, sorgten für Aufsehen. Verse wie "Ich liebe die hektischen, schlanken / Narzissen mit blutrotem Mund; / Ich liebe die Qualengedanken, / Die Herzen zerstochen und wund" aus seinem wohl bekanntesten Gedicht "Was ich liebe" bringen Dekadenz, Weltschmerz, Erotik oder auch die Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche, für die Dörmanns Lyrik steht, auf den Punkt. Nicht wunder nimmt es mit diesen Gedichtzeilen, dass Charles Baudelaire ein Vorbild war und Dörmann – neben keinem Geringeren als Stefan George in Deutschland – in Österreich der erste ‚Nachdichter‘ des französischen Symbolisten wurde. Obwohl er als Journalist, Theaterautor, Prosaist, Lyriker und Übersetzer ein vielseitiges Werk hinterließ und sein 1925 erschienener Roman "Jazz", ein Portrait der Inflationszeit im Wien der 1920er-Jahre, noch 2012 mit einer Neuauflage bedacht wurde, war Dörmann ausgerechnet als Operettenlibrettist sein einziger nachhaltiger Welterfolg beschieden: "Ein Walzertraum".

Oscar Straus und die Enstehung von "Ein Walzertraum"

Das verbindet Dörmann mit unserem zweiten Jubilar, Oscar Straus (1870–1954), der bereits am 6. März seinen 150. Geburtstag feierte. Auch Straus, der nach Stationen als Kapellmeister und Komponist u. a. in Brünn, Pressburg und Hamburg zwischen 1900 und 1904 in Berlin bei dem literarischen Kabarett "Überbrettl" mitarbeitete, erzielte als Komponist mit dem "Walzertraum" seinen größten Erfolg. Die Erinnerungen von Straus zur Entstehung der Operette sind etwas romantisch-märchenhaft, aber ebenso wie der Stoff zutiefst wienerisch: In seinem Stammlokal Zum Eisvogel im Prater habe die Dirigentin der dort engagierten Damenkapelle Straus zur Komposition eines Wiener Walzers aufgefordert, Straus skizziert voll Begeisterung ein paar Walzertakte auf das Tischtuch. Wie der Zufall so spielt, lernt er hier im Eisvogel auch Hans Müller-Einingen (1882–1950) kennen, der ihm ein Exemplar seines 1905 erschienenen Novellenbandes "Buch der Abenteuer" widmet. Straus entdeckt darin die Novelle "Nux, der Prinzgemahl" – im Druck übrigens Arthur Schnitzler zugeeignet und in der Erstausgabe der Wienbibliothek von unbekannter Hand mit dem Prädikat "Sehr gut!" ausgezeichnet –, die glücklicherweise eine Wiener Damenkapelle im Personal hat und damit Straus den erträumten Stoff für eine Operette liefert (vgl. Franz Mailer: Weltbürger der Musik. Eine Oscar-Straus-Biographie. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1985, S. 40f.).

"Lieben im Mai!"

Die schöne Prinzessin Helene aus dem Fürstentum Flausenthurn (in der Novelle übrigens eine wenig attraktive Prinzessin Malvine und zum Leidwesen ihres Vaters mit 34 Jahren schwer vermittelbar) entdeckt in dem lebenslustigen Leutnant Niki (in der Vorlage Nikolaus Baron Rudolin, genannt Nux) aus Wien ihren Heiratskandidaten. Dieser willigt schnell in die Hochzeit ein, verweigert aber ein gemeinsames Schlafgemach, weil ihm das Leben am Hof nicht behagt; er fühlt sich in der Fremde erst wieder wohl, als er eine Damenkapelle vertraute Walzerklänge spielen hört. Er verliebt sich in die Dirigentin. Die Gattin kommt dahinter, kann ihre Ehe aber retten, indem sie selbst dem Zauber des Walzers verfällt und ihrem Mann sodann alle Freiheiten sowie ein wienerisches Leben am Hof einräumt. "Einmal noch beben, / Ehʼ es vorbei! / Einmal noch leben, / Lieben im Mai!", resümiert mit der Wiederaufnahme des Refrains aus dem populärsten Walzer "Leise, ganz leise" das nun glückliche Paar am Ende. Die Erarbeitung des Librettos besorgte Felix Dörmann mit dem jungen Schriftsteller Leopold Jacobson (1873–1943). Die Mitarbeit des Jüngeren schätzte der Komponist offenbar höher ein: "In Felix Dörmann glaubte ich zunächst den echt wienerischen Volksdichter gefunden zu haben. Er schrieb mir in der Hauptsache aber nur Texte. Der Journalist Leopold Jacobson ward mein umso eifrigerer Mitarbeiter, und auch ich selber half damals kräftig beim Buche mit." (zit. nach Mailer: Weltbürger der Musik, S. 41)

Nach der Uraufführung am 2. März 1907 im Wiener Carltheater zeigte sich rasch der Erfolg des neuen Werks, das bald mit Franz Lehárs "Lustiger Witwe" konkurrieren konnte. Im Mai 1909 wurde die 500. Aufführung gefeiert, Übersetzungen und Aufführungen im Ausland ließen nicht lange auf sich warten und schließlich trug 1931 die Hollywood-Verfilmung durch Ernst Lubitsch zum andauernden Erfolg bei. Diese Popularität wie auch die Wertschätzung für Jacobson spiegelt sich auch auf einem am Tag der 400. Vorstellung, dem 19. Mai 1908, gewidmeten Einzelblatt aus den ersten Skizzen des Komponisten: "Meinem l[ieben] Leopold Jacobson für 400te Aufführung ‚Walzertraum‘. Die erste Niederschrift seines Lieblingswalzers." Auf dem Notenblatt finden sich die ersten Entwürfe zu dem langsamen Walzer (2. Akt, Nr. 15) mit den Anfangszeilen "Wie’s halt so geht, der Walzermagnet – hat mich hereingezogen! Heimlich bei Nacht ist die Sehnsucht erwacht".

Während Jacobson und Straus noch bei sechs weiteren Operetten zusammenarbeiteten, beschränkte sich Dörmanns Kooperation mit Straus auf das Libretto für die Oper "Die galante Markgräfin" (1919). Dennoch blieb auch Dörmann reger Librettist und hinterließ eine Reihe weiterer Operettentexte und -entwürfe in seinem Nachlass in der Wienbibliothek, weswegen er schließlich doch zu dem Schluss kommen musste: "Das Leben hat doch seine nette, / gesalzene Ironie; / man lebt von der Operette – / und stirbt bei der Poesie." (zit. nach Felix Dörmann: Jazz. Wiener Roman. Wien: edition atelier 2012, S. 280)

Archiv der Objekte des Monats 2020:

Oscar Straus: „Ein Walzertraum“, Titelblatt des Particell-Entwurfs; WBR, MS, MHc-14207