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Objekt des Monats November 2019: Zum 300. Geburtstag von Leopold Mozart "Versuch einer gründlichen Violinschule"

Leopold Mozart "Versuch einer gründlichen Violinschule" 1756

Der am 14. November 1719 in Augsburg geborene Leopold Mozart ist heute in erster Linie als Vater seines berühmten Sohnes Wolfgang Amadé bekannt, den er sowohl didaktisch als auch gesellschaftlich in die Welt der Musik einführte. Seine pädagogischen Ambitionen schlugen sich darüber hinaus in einem Lehrwerk für die Violine nieder, das bis heute, wenngleich nicht mehr seiner ursprünglichen Bestimmung folgend, zu Rate gezogen wird.

Leopold Mozart fand als Musiker am fürsterzbischöflichen Hof zu Salzburg eine Lebensstellung, in welcher er es bis zum Vizekapellmeister brachte. Ganz nach dem damaligen Usus trat er auch als Komponist hervor, namentlich mit Kirchen- und Instrumentalwerken, die heute nur noch selten gespielt werden.

Die „Gründliche Violinschule“ …

Als Geiger konnte Leopold Mozart beklagen, dass für sein Instrument nur fremdsprachige Lehrwerke zur Verfügung standen, während solche für das Klavier oder die Flöte bereits auf Deutsch vorlagen. Dies gab den Anstoß zur Erarbeitung seines zunächst bescheiden betitelten „Versuchs einer gründlichen Violinschule“, der 1756, im Jahr der Geburt seines Sohnes, in Augsburg erschien.

Das Vorsatzblatt zeigt ein Porträt des Verfassers, darunter einen lateinischen Sinnspruch Ciceros: „Es ist daher anerkannt, dass im Gestus weder besonderer Reiz noch Schande liegt, um uns nicht als Schauspieler oder einfache Arbeiter erscheinen zu lassen.“ Ein weiterer Sinnspruch auf der Rückseite des Haupttitelblatts, von Aristides Quintilianus stammend und in griechischer sowie lateinischer Sprache wiedergegeben, erläutert die Absicht des Verfassers: „Ich glaube, niemand wird bestreiten, dass also die Jünglinge von uns in der Musik unterrichtet werden müssen und dass man lebenslang sorgen müsse, wie sehr es geschehen könne.“

Es folgen eine ausführliche Widmung an den – der Familie Mozart sehr gewogenen – Landesherrn und Arbeitgeber Leopolds, Sigismund von Schrattenbach, sowie ein Vorwort, in dem der Autor die oben erwähnten Beweggründe für die Abfassung des Werks darlegt und die Kompaktheit desselben verteidigt. Daran schließen sich die zwölf „Hauptstücke“ und, für die damalige Zeit gewiss außergewöhnlich, ein Sachregister an.

… und ihre Verbreitung

Das Werk etablierte sich rasch; schon 1770 erschien eine zweite Auflage unter dem Titel „Leopold Mozarts […] gründliche Violinschule“, die sich von der ersten sowohl im Text als auch in den Notenbeispielen geringfügig unterscheidet. 1787, im Todesjahr des Autors, erschien eine „dritte vermehrte Auflage“, die aber in Wahrheit mit der vorangegangenen identisch ist. Es folgten weitere Auflagen, die der raschen Entwicklung der Geigentechnik Rechnung tragen, sowie auch Übersetzungen in fremde Sprachen.

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