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Am 23. September sowie am 10., 15. und 30. Oktober schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Wiener Adressbücher nun mit künstlicher Intelligenz durchsuchbar

"Adolph Lehmann's allgemeiner Wohnungs-Anzeiger", Wien, 1880, WBR, DS, B-24202.

Entstehung und Inhalt der Lehmannschen Adressbücher

Das Wiener Adressbuch, nach seinem Initiator Adolph Lehmann (1828–1904) auch schlicht "Lehmann" genannt, stellt eine zentrale Quelle stadthistorischer Forschung dar. Mit Hilfe der Polizeidirektion, die die Daten der Volkszählungen und Meldedaten sammelte, veröffentlichte der ehemalige Journalist 1858 erstmalig seinen "Allgemeinen Wohnungs-Anzeiger" für die Reichs- und Residenzhauptstadt Wien, der später in "Wiener Adreßbuch" umbenannt wurde. Der "Lehmann", dem anfänglich mit Skepsis begegnet wurde, erwies sich bald als ein überaus nützliches und übersichtliches Nachschlagewerk.

Herzstück der Adressbücher bilden die fünf, im Laufe der Zeit in ihrer Terminologie leicht divergierenden Verzeichnisse – Namen-, Straßen-, Firmen-, Branchen- und Behördenverzeichnis –, die je nach Jahrgang durch Inserate, Theaterpläne oder einer Auflistung der in Wien erscheinenden Zeitungen bzw. Zeitschriften ergänzt wurden. Da der "Lehmann" stets am Beginn des Jahres veröffentlicht wurde, bildete er im Wesentlichen den Stand des Vorjahres ab. Ab 1870 erschien er jährlich, ab 1893 in zwei Bänden, ehe das Projekt 1942 kriegsbedingt eingestellt werden musste.

Lehmann digital

Bereits 2011 wurden die Adressbücher (mit Ausnahme einiger weniger Jahrgänge) von vorhandenen Mikrofiches digitalisiert, die jedoch teilweise starke Gebrauchsspuren aufwiesen. Aufgrund dieses qualitativen Mangels war eine zufriedenstellende Texterkennung (OCR) nicht möglich.

Deshalb entschloss sich die Wienbibliothek zur Digitalisierung des "Lehmann" vom Original. Neben hochaufgelösten Scans, die in der Digitalen Bibliothek zur Verfügung gestellt werden, bietet dies auch eine ideale Grundlage für die Texterkennung. Die 119 großformatigen Bände mit mehr als 200.000 Seiten wurden extern digitalisiert und nach einer Qualitätskontrolle der Digitalisate für die Texterkennung aufbereitet.

Texterkennung

Die Texterkennung für die Lehmannschen Adressbücher basiert auf der Forschungsplattform "Transkribus", die im Rahmen des EU-Projekts READ (Recognition and Enrichment of Archival Documents) von einer Reihe europäischer Universitäten unter Leitung der Universität Innsbruck, Gruppe "Digitalisierung und elektronische Archivierung", entwickelt wurde.

"Transkribus" nützt die Möglichkeiten des Maschinenlernens und kann sowohl für gedruckte als auch handschriftliche Dokumente trainiert werden. Im konkreten Fall wurde auf der Basis von weniger als 100 Seiten ein Modell trainiert, das ausgezeichnete Ergebnisse lieferte: 99% aller Buchstaben wurden korrekt erkannt, was bei den Lehmannschen Adressbüchern insofern eine große Herausforderung darstellt, als sich nicht nur die Schrift im Laufe der Jahre verändert hat, sondern auch außerordentlich viele Satzzeichen enthalten sind. "Transkribus" steht der Öffentlichkeit frei zur Verfügung und wird ab Sommer dieses Jahres im Rahmen einer neu gegründeten Europäischen Kooperative (SCE) als Forschungsinfrastruktur betrieben.

Die Texterkennung macht nun Details der Seiten nahezu lückenlos auffind- bzw. sichtbar und ermöglicht somit ein gezielteres und schnelleres Suchen innerhalb der einzelnen Jahrgänge des "Lehmann". Dadurch stellt die Wienbibliothek ein weiteres benutzerfreundliches Instrument für die historische Erforschung Wiens zur Verfügung.

Links

Lehmann mit Texterkennung in der Digitalen Bibliothek

Forschungsplattform "Transkribus"

"Wienbibliothek Digital: Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nun mit Texterkennung durchsuchbar!'" (Rathauskorrespondenz vom 28.06.2019)

"Adressbuch bis 1942 online durchsuchbar" (Meldung auf wien.orf.at vom 29.06.2019)