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"Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt!"

H. C. Artmann zum 100. Geburtstag

Ausstellungssujet "Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt!" © Barbara Wehr

Dauer der Ausstellung

Von 10. Juni bis 10. Dezember 2021

Ausstellungsort

Wienbibliothek im Rathaus / Loos-Räume
1010 Wien, Bartensteingasse 9/5
T: +43 (0)1 4000 84915
Montag bis Freitag, 9.00 bis 13.00 Uhr
Eintritt frei!
Geschlossen: Samstag, Sonntag, Feiertage, 24. und 31.12.2021

Über die Ausstellung

Die Wienbibliothek im Rathaus feiert H. C. Artmanns 100. Geburtstag mit einer Schau, die unter dem Titel „Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt!“ dem Thema Reisen im weitesten Sinne gewidmet ist. Die zentrale Bedeutung des Reisens für Artmanns Leben und Werk ist und war allgemein bekannt: Sein Sohn Patrick meinte in einem Interview 1977, er würde seinen Vater „als ewigen Reisenden“ charakterisieren, und Bundeskanzler Franz Vranitzky apostrophierte Artmann in einem Gratulationsschreiben zum 70. Geburtstag als einen „Wortfreund und Forschungsreisenden in Sachen Sprache“. Der Dichter selbst pflegte dieses Image. Als er nach der Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises für Literatur 1974 von einem Journalisten gefragt wurde, was der Geehrte denn mit dem Preisgeld anzufangen gedenke, antwortete Artmann: „Ich werd’ wahrscheinlich eine kleine Expedition nach Nordindien machen.“

Der wichtigste Bestand, aus dem die Wienbibliothek für die Ausstellung schöpfen kann, ist der „Nachlass H. C. Artmann“, der 2004 zusammen mit der Nachlassbibliothek erworben wurde. Herausragende Stücke aus Artmanns Bibliothek wurden im Rahmen der Ausstellung „Wann ordnest Du Deine Bücher?“ und im gleichnamigen Begleitbuch (2006) präsentiert. Die hinterlassenen Werkmanuskripte, Korrespondenzen und Lebensdokumente waren bisher hingegen kaum zu sehen.

Das Titelzitat der Ausstellung stammt von einer Postkarte, die Artmann 1972 an Fritz Hochwälder von den irischen Aran Islands schickte. Mit dem Bild „vom Ende der Welt“ bietet der postalische Gruß einen Assoziationsraum, nach dem die etwa fünfzig Exponate ausgewählt und gruppiert sind: Die thematische Spannweite reicht vom Reisen über Exil bzw. Verbannung bis hin zu Vorstellungen des geographischen Weltendes und des Weltuntergangs. Das für das Ausstellungs-Sujet verwendete Foto zeigt Artmann dem folgend auf der Fähre hin zu den genannten Aran Islands im Jahr 1970 oder 1971.

Artmann selbst stellte einen engen Zusammenhang zwischen Reisen und Apokalypse her, indem er bei der Beantwortung der Frage „Warum ich so viel reise“ seine Erfahrung als Soldat im Zweiten Weltkrieg ins Spiel bringt: Der Krieg habe ihn „in absonderliche regionen“ geschickt, die er sich „auf keinem atlas erträumt hatte – von einem ort zum andren ort und so fort und so fort . . Und das kann ich mir anscheinend nicht mehr abgewöhnen“.

Nach dem Krieg entwickelte Artmann eine besondere Vorliebe für die sogenannten keltischen Nationen und deren Sprachen, den keltischen Rand der europäischen Welt, der von Schottland, Irland, die Isle of Man, Wales, Cornwall und die Bretagne gebildet wird. Artmann versetzte sich, wie er selbst sagte, am Beginn einer Reise in den Zustand eines trockenen Schwamms, um dann vollgesogen mit Erfahrungen und Eindrücken zurückzukehren und zu schreiben, zu übersetzen und zu dichten. Umgekehrt veranlasste ihn der Erfolg seiner poetischen Produktion erneut zum Reisen, etwa im Jahr 1981, als er – auf Einladung des Germanisten Cornelius Schnauber – gemeinsam mit Helmut Qualtinger und Peter Turrini Los Angeles und die dortige University of Southern California besuchte. Kalendereinträge, eine Postkarte an Peter Rosei, Fotos einer Lesung sowie ein Aquarell, das Artmann und Qualtinger vor einem Universitätsgebäude zeigt, dokumentieren diese Lesetour.

Den Ausstellungsfolder können Sie hier herunterladen.

     

Ausstellung in den Loos-Räumen der Wienbibliothek (Fotos © Georg Lembergh)

Kuratiert von:
Marcel Atze und Gerhard Hubmann, Wienbibliothek im Rathaus

Ausstellungsgrafik:
Markus Reuter

Ausstellungssujet unter Verwendung einer Fotografie von Barbara Wehr:
Markus Reuter

Ausstellungsfolder:
Sabine Müller, Gruenberg4

Begleitprogramm

Mittwoch, 9. Juni 2021, 18.30 Uhr
Ausstellungseröffnung "Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt!"

**Live Stream aus der Wienbibliothek im Rathaus**

Montag, 14. Juni 2021, 9.00 bis 16.00 Uhr
LOVECRAFT, SAVE THE WORLD! - 100 Jahre H. C. Artmann

**Zoom Tagung der Internationalen Gesellschaft H. C. Artmann (IGHCA) aus den Loos-Räumen der Wienbibliothek**

Dienstag, 21. September, 18.30 Uhr
Buchpräsentation "atsız süvari, ipsiz cambaz" - H. C. Artmanns Poesie auf Türkisch
(Informationen folgen)

Donnerstag, 14. Oktober 2021, 17.00 Uhr
Palmers und Artmann oder wie ein Plakatskandal zur Inspirationsquelle wurde
(Informationen folgen)

Donnerstag, 18. November 2021, 17.00 Uhr
Artmann – Kein Archivar seiner selbst
(Informationen folgen)

Weiter Programmpunkte werden ergänzt.

Die Internationalen H. C. Artmann Gesellschaft sammelt auf ihrer Homepage www.hcartmann.at weitere Veranstaltungen rund um den 100. Geburtstag H. C. Artmanns.

Pressebilder

Wir bitten Sie, im Rahmen Ihrer Berichterstattung auf das jeweilige Projekt der Wienbibliothek im Rathaus und/oder die Wienbibliothek im Rathaus hinzuweisen.
Honorarfrei ausschließlich bei Nennung © Wienbibliothek im Rathaus.

Falls Sie weitere Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte an oeffentlichkeitsarbeit@wienbibliothek.at

H.C. Artmann an Fritz Hochwälder, Postkarte vom 28.06.1972, Irland. WBR, HS, NL Fritz Hochwälder, ZPH 1769
H. C. Artmann und Peter Rosei mit Mopeds, 1977. WBR, HS, Nachlass Artmann, ZPH 1317
H. C. Artmann auf den Aran-Inseln, Irland, 1 Fotografie, 1970 oder 1971, Foto: Barbara Wehr. WBR, HS, Sammlung H. C. Artmann, ZPH 1567, 3.6.16.3
H. C. Artmann an Hannes Schneider, Brief vom 19.05.[1964]. WBR, HS, Nachlass Schneider, ZPH 1356, Archivbox 9, 2.1.17
Unbekannt: Helmut Qualtinger und H. C. Artmann vor der University of the State California. Aquarellierte Federzeichnung, 1984. WBR, HS, Nachlass Helmut Qualtinger, ZPH 676, Box 9
H. C. Artmann: Taufzeugnis anlässlich einer Ballonfahrt am 14.01.1980, Gersthofen. Ausgefüllt und unterschrieben von Alfred Eckert. WBR, HS, Nachlass H. C. Artmann, ZPH 1317, Archivbox 4, 3.4.21
Christian Thanhäuser: Ballonfahrt. Zweifarbiger Holzschnitt auf Japanpapier, 2021
H. C. Artmann: Der aeronautische Sindtbart oder Seltsame Luftreise von Niedercalifornien nach Crain. Ein Fragment von dem autore selbst aus dem yucatekischen anno 1958 in teutsche gebracht sowie edirt & annotirt durch Klaus Reichert. Salzburg: Residenz Verlag 1972
H. C. Artmann, um 1972. [Abb. 014 BU: WBR, HS, Sammlung Artmann, ZPH 1567, 3.6.12]
H. C. Artmann, um 1985. WBR, HS, Nachlass Artmann, ZPH 1317 © Christian Thanhäuser
Raoul Schrott an H. C. Artmann, Postkarte vom 07.01.1998, Tristan da Cunha („Kreuz des Südens“). WBR, HS, Nachlass H. C. Artmann, ZPH 1317, Box 3, 2.1.1.260
H. C. Artmann: Figur mit Hut und Stock. [Zeichnung, mit geschlossenen Augen ausgeführt]. WBR, HS, Nachlass H. C. Artmann, ZPH 1317, Archivbox 2, 1.5.1
Ida Szigethy: Mitgliedskarte des Vereins „Exil“, unterzeichnet von H. C. Artmann, 16.01.1955. WBR, HS, H.I.N. 245974
 

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