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Veranstaltungsstreams 2021

Wienbibliothek ON AIR

Das Veranstaltungsprogramm 2021 wird weitgehend als Live-Stream einem interessierten Publikum angeboten. Zum Nachschauen werden die Streams auch über den Veranstaltungstag hinaus bereitgestellt.

Hans Kelsen. Biographie eines Rechtswissenschaftlers | Mit Büchern auf der Flucht | Schriften, Briefe und Dokumente. Der literarische Loos | Politische Karikaturen einst und jetzt | Zwischen Rebellion und Anpassung - Vor- und Nachlässe von Frauen in Bibliotheken und Archiven | Kooperationen nach der "Scheidung" | Adolf-Loos-Forschung in der Albertina und im MAK | Der private Loos | Dialogic: Sprache und Welt | Otto Neurath liest Stefan Zweigs "Die Welt von Gestern" | Adolf Holls "Leibesvisitationen" | Ausstellungseröffnung "Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt!" | Der Architekt Karl Schwanzer | "Ich bin kein Felsen, ich bin ein Fluss" und neue Essays | "atsız süvari, ipsiz cambaz" - H. C. Artmanns Poesie auf Türkisch | Wien. Legende & Wirklichkeit von Ilsa Barea-Kulcsar | Pässe, Reisekoffer und andere »Asservate«. Archivalische Erinnerungen ans Leben | Journey to the Edge of Reason. The life of Kurt Gödel | Jesus in schlechter Gesellschaft. Band I der Adolf-Holl-Gesamtausgabe | Was ist Niederösterreich? – Was ist Wien? Regionale Identität vor und nach der Trennung | Dialogic: Die Aktualität des Wiener Kreises | H. C. Artmann - Kein Archivar seiner selbst

H. C. Artmann - Kein Archivar seiner selbst - Aus der Forschungswerkstatt & Finissage

Termin: 10. Dezember 2021, 17:00 Uhr
Ort: Loos-Räume der Wienbibliothek

Im Gespräch
Marcel Atze, Wienbibliothek im Rathaus
und Gerhard Hubmann, Wienbibliothek im Rathaus

H. C. Artmann war schon zu Lebzeiten berühmt für seine so aparten wie eigenwilligen Manuskripte. Aber er ging äußerst nachlässig mit ihnen um. Sie blieben an ungezählten Schreiborten liegen, sie wurden verloren, von übereifrigen Hausmeistern beseitigt, gerne verschenkt oder geschäftstüchtigen Händlern überlassen.

Dass der Poet aus Wien-Breitensee kein Archivar seiner selbst war, blieb auch für biographische und editorische Projekte nicht ohne Folgen. Darüber sprechen die beiden Kuratoren und städtischen Archivare, die sich der Pflege der überlieferten und dem Sammeln von unvermutet auftauchenden Papieren aus Artmanns Feder verschrieben haben.

Dialogic: Die Aktualität des Wiener Kreises - Diskussion

Termin: 9. November 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Begrüßung und Einführung
Anita Eichinger, Direktorin der Wienbibliothek im Rathaus
Martin Fleischhacker, Geschäftsführer der Wiener Zeitung

Es diskutieren
Elisabeth Nemeth, Präsidentin Österreichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft
Friedrich Stadler, Univ.-Prof. i.R. Universität Wien und Wiener Kreis Gesellschaft
Alfred Pfoser, Historiker

Moderation
Judith Belfkih, stv. Chefredakteurin der Wiener Zeitung

Der Physiker-Philosoph Moritz Schlick gründete zusammen mit dem Mathematiker Hans Hahn und dem Soziologen Otto Neurath im Jahr 1924 einen philosophischen Zirkel, der als "Wiener Kreis" in die Geschichte eingegangen ist. Dieser entwickelte unter dem Begriff "Wissenschaftliche Weltauffassung" eine Weltsicht, die der Natur- und Technikwissenschaften, der Ökonomie, der Psychologie, aber auch der Literatur, Kunst und den Medien wesentliche Impulse lieferte. Im Jahre 1936 wurde Moritz Schlick in der Universität Wien ermordet. Anlässlich des jüngst erschienenen Buches "Die Ermordung des Professor Schlick. Der Wiener Kreis und die dunklen Jahre der Philosophie" von David Edmonds (C.H.Beck 2021) werden im Rahmen eines Panels unter anderem folgende Fragen diskutiert: Wie aktuell sind die Erkenntnisse des Wiener Kreises heute? Was ist davon geblieben und welche Lehren können in unserer Zeit und für die Zukunft gezogen werden? Was ist die Alternative zu Wissenschaft und Forschung? Welche Rolle spielt die Wissenschaft in der Demokratie?

Was ist Niederösterreich? – Was ist Wien? Regionale Identität vor und nach der Trennung - Aus der Forschungswerkstatt

Termin: 27. Oktober 2021, 17:00 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Christian Mertens, Wienbibliothek im Rathaus
Ernst Bruckmüller, Historiker

In der Zeit der Habsburgermonarchie, aber auch in der jungen Republik galten Wien und Niederösterreich als jene Landesteile, in denen es am ehesten eine spezifisch österreichische Identität – zuerst zum „Haus Österreich“, dann zum Staat – gab. Umgekehrt war anders als in den westlichen Bundesländern die regionale Identität der Bevölkerung – das „Landesbewusstsein“ – bis in die jüngere Vergangenheit traditionell recht schwach ausgeprägt.

Gilt dieser Befund heute noch oder hat sich die regionale Verbundenheit gestärkt? Welche Rolle spielen der Fall des Eisernen Vorhangs, die Verlegung der Landesverwaltung von Wien nach St. Pölten oder die niederösterreichische Kulturpolitik der letzten Jahrzehnte in diesem Prozess? Und was empfinden die Wienerinnen und Wiener für ihre Heimatstadt? Diesen Fragen gehen die beiden Historiker Ernst Bruckmüller und Christian Mertens in ihrem Gespräch nach.

Jesus in schlechter Gesellschaft. Band I der Adolf-Holl-Gesamtausgabe - Buchpräsentation aus dem Nachlass

Termin: 20. Oktober 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Walter Famler, Nachlassverwalter Adolf Holl
Maria Katharina Moser, Diakonie Österreich

Moderation
Walter Hämmerle, Wiener Zeitung

Vor fünfzig Jahren erschien Adolf Holls Bestseller „Jesus in schlechter Gesellschaft“. Das Buch zeigt Jesus als Außenseiter, sanften Revolutionär und Sozialreformer, der Dogmen infrage und seine Moralvorstellungen gegen rigide Machtstrukturen stellt. Vielfach übersetzt stieß Holls Jesus auf heftige Ablehnung und kultische Zustimmung weit über katholische Kreise hinaus und liefert bis heute kritische Impulse. Mit einer persönlichen Einleitung der Herausgeber und einem Nachwort von Horst Junginger ist Holls Klassiker jetzt in einer Jubiläumsausgabe erhältlich, die gleichzeitig den Auftakt einer zwölfbändigen Werkausgabe darstellt.

Journey to the Edge of Reason. The life of Kurt Gödel - Buchpräsentation

Termin: 18. Oktober 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Friedrich Stadler, Universität Wien, Philosophie und Institut Wiener Kreis
mit Karl Sigmund, Universität Wien, Fakultät für Mathematik

Durch Rückgriff auf bisher unveröffentlichte Briefe, Tagebucheinträge und Krankenakten bietet "Journey to the Edge of Reason" die bisher umfangreichste und profundeste Biographie eines der größten Denker des 20. Jahrhunderts. Stephen Budiansky lässt in seinem Portrait den beachtlichen kreativen und philosophischen Geist der Wiener Zwischenkriegszeit wieder auferstehen und beschreibt dessen radikale Zerstörung durch den Nationalsozialismus. Er verfolgt Gödels haarknappe Flucht nach Amerika und die darauf folgende Idylle in Princeton. Im Zusammenspiel von öffentlichem und privaten Lebens dekonstruiert der Autor eine Geschichte von kreativem Genie, psychischer Krankheit, politischer Korruption und Idealismus vor den Wirren des Zweiten Weltkrieges.

Pässe, Reisekoffer und andere »Asservate«. Archivalische Erinnerungen ans Leben - Buchpräsentation

Termin: 12. Oktober 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Begrüßung
Thomas Aigner, Wienbibliothek im Rathaus
Bernhard Fetz, Literaturarchiv der ÖNB

Einführung
Tanja Gausterer, Wienbibliothek im Rathaus
Arnhilt Inguglia-Höfle, Literaturarchiv der ÖNB

Im Gespräch
Volker Kaukoreit, Literaturarchiv der ÖNB
Josef Haslinger, Schriftsteller
Helmut Neundlinger, Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften, Donau-Universität Krems

Was bedeuten abgelaufene Pässe? Sind alte Reisekoffer eigentlich nicht etwas für den Sperrmüll? Und lassen sich die Wanderschuhe eines Autors mit dessen Werk in Beziehung setzen? Der vorliegende Band widmet sich archivierten »Lebensdokumenten«, die allzu leicht als scheinbar unauffällige und ephemere Zeugnisse des Lebensalltags übersehen werden könnten.

Wien. Legende & Wirklichkeit von Ilsa Barea-Kulcsar - Buchpräsentation

Termin: 28. September 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Julia Brandstätter und Gernot Trausmuth, Herausgebende und Übersetzende
mit Georg Pichler, Universität Alcalá (Madrid)

In ihrer großen Kultur- und Stadtgeschichte beleuchtet Ilsa Barea Wien von allen Zeiten und Himmelsrichtungen. Liebevoll, aber auch kritisch schreibt sie über die großen und kleinen Momente der lebenswertesten Stadt der Welt, über Kunst und Kultur, architektonische und intellektuelle Höchstleistungen, über den Glanz und Verfall der Epochen und immer wieder über die Menschen, die Wien so einmalig gemacht haben.

Ilsa Barea war als österreichische Journalistin im Spanischen Bürgerkrieg, emigrierte nach Frankreich und schließlich nach England. In ihrem Herzen ist sie aber immer eine leidenschaftliche Wienerin geblieben. Begleiten Sie Ilsa Barea auf einer unterhaltsamen wie lehrreichen Zeitreise durch Wien.

"atsız süvari, ipsiz cambaz" - H. C. Artmanns Poesie auf Türkisch - Buchpräsentation

Termin: 21. September 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Lesung und Diskussion
Erhan Altan, Übersetzer und Autor
Hayati Yıldız, Übersetzer
Ulrike Tauss, Kulturvermittlerin
Thomas Eder, Herausgeber und Literaturwissenschaftler

H. C. Artmann ist 100 Jahre alt beziehungsweise jung. Als Erster hat er in seinen Reisepass die Berufsbezeichnung „Poet“ eingetragen und für Konrad Bayer war er damit "anschauung, beweis, dass die existenz des dichters möglich ist". Zu spät und doch rechtzeitig zum 100. Geburtstag wird nun seine Poesie auch im Türkischen zugänglich gemacht: „atsız süvari, ipsiz cambaz“ (pferdeloser husar, seilloser tänzer) erschien in der Reihe „Österreich Bibliothek“ beim Verlag Turkuaz. Thomas Eder war der Herausgeber, Erhan Altan und Hayati Yıldız haben übersetzt und die große sowie gleichzeitig unmögliche Aufgabe angenommen, Artmanns Sprachstil in das Türkische zu übertragen.

"Ich bin kein Felsen, ich bin ein Fluss" und neue Essays - Lesung und Gespräch

Termin: 14. September 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Lesung
Peter Rosei, Schriftsteller

Im Gespräch
Manfred Müller, Österreichische Gesellschaft für Literatur
mit Peter Rosei

Ronald Pohl charakterisierte in einem Standard-Artikel Peter Rosei als einen "Wahrnehmungsakrobaten, der die Bälle von Kunst, Politik und Lebensform anstrengungslos und synchron in der Luft hält." Dem Attribut "anstrengungslos" sollte noch das Wort "scheinbar" hinzugefügt werden. Denn Rosei ist kein Schriftsteller, der es sich leicht macht mit der Beantwortung der von Kunst und Politik aufgeworfenen Fragen. Wobei das Stellen von Fragen bei ihm auch Selbstbefragung bedeutet: "Stimmt das aber?", "Was tun?" oder grundsätzlicher: "Wir müssen uns fragen, wie wir leben wollen, in welcher Gesellschaft und in welcher Welt?" Diese seine Texte geradezu leitmotivisch durchziehenden Fragen sind keine rhetorischen Floskeln, sondern Ausdruck eines "Denkens in Rede und Gegenrede, wie Sokrates uns gezeigt hat".

Der Architekt Karl Schwanzer - Aus der Forschungswerkstatt

Termin: 17. Juni 2021, 17:00 Uhr
Ort: Loos-Räume der Wienbibliothek

Im Gespräch
Franz J. Gangelmayer, Autor und Leiter der Druckschriftensammlung, Wienbibliothek im Rathaus
Andreas Nierhaus, Kurator der Architektursammlung, Wien Museum

Das sogenannte 20er Haus im Wiener Schweizergarten (heute: Belvedere 21), das Philips-Haus am Wienerberg und die BMW-Konzernzentrale in München sind wahrscheinlich die bekanntesten seiner über 400 realisierten Bauwerke und machten Karl Schwanzer zu einem international hoch angesehenen Architekten. Bis heute steht sein Name wie kaum ein anderer für die moderne Nachkriegsarchitektur – und das nicht nur in Österreich.

Gerade Schwanzers Studien- und erste Arbeitsjahre boten bislang viel Raum für Interpretationen, insbesondere seine Dissertation und Tätigkeit in Polen während der Herrschaft der Nationalsozialisten sowie seine Flucht und der Wiederanfang nach dem Krieg. Aufgrund der bislang schmalen Aktenlage wurden sie von der zeitgeschichtlichen Forschung weitgehend ausgeklammert. Durch die Übernahme des Karl Schwanzer Archivs, einer der umfangreichsten und wertvollsten Architekten-Nachlässe des 20. Jahrhunderts in Österreich, durch das Wien Museums im Jahr 2018, gewinnt dieser weiße Fleck in der Biografie des renommierten Architekten nun Farbe.

"Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt!" - H. C. Artmann zum 100. Geburtstag - Ausstellungseröffnung

Termin: 9. Juni 2021, 18:30 Uhr
Ort: Loos-Räume der Wienbibliothek

Begrüßung
Anita Eichinger, Direktorin der Wienbibliothek im Rathaus

Zur Ausstellung
Marcel Atze und Gerhard Hubmann, Kuratoren der Ausstellung, Wienbibliothek im Rathaus

Lesung
Erwin Steinhauer

H. C. Artmann, dessen Geburtstag sich am 12. Juni 2021 zum 100. Mal jährt, führte seinen lebenslangen Drang zu reisen auf die Erfahrung als Soldat im Zweiten Weltkrieg zurück: Während er bis in seine Jugend nichts anderes kannte als Wien-Breitensee und das Waldviertel, habe ihn der Krieg „in absonderliche regionen“ geschickt, die er sich „auf keinem atlas erträumt hatte – von einem ort zum andren ort und so fort und so fort . . Und das kann ich mir anscheinend nicht mehr abgewöhnen“.

Artmanns Nachlass enthält vieles, was noch unerforscht und unpubliziert ist, darunter ein spätes Dialektgedicht in Form eines Gebets, das darum bittet, jene Menschen, die für uns durchs Feuer gehen und den Kopf hinhalten, nicht aussterben zu lassen. Dieser Text, in seiner Dankbarkeitsgeste hochaktuell, ist der Schlusspunkt der Ausstellung und wird in der Lesung von Erwin Steinhauer zu hören sein.

Aus dem Nachlass: Adolf Holls "Leibesvisitationen" - Buchpräsentation

Termin: 18. Mai 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Walter Famler, Nachlassverwalter Adolf Holl
Peter Strasser, Philosoph

Ende vergangenen Jahres übernahm die Wienbibliothek im Rathaus den Nachlass von Adolf Holl. Am Schreibtisch seiner Arbeitswohnung hinterließ Holl das Manuskript für sein dreiunddreißigstes Buch. Überschrieben mit dem Titel "Leibesvisitationen" umfasst es dreiundsiebzig auf seiner mechanischen Schreibmaschine getippte und von ihm selbst noch durchkorrigierte Seiten. Anlässlich des Erscheinens der "Leibesvisitationen" in Form eines auf 333 Exemplare limitierten und nummerierten Sonderdrucks stellt Herausgeber Walter Famler Holls letztes Buch vor und spricht mit Peter Strasser, dem Autor des Nachwortes, über Adolf Holls Nachlass und Lebenswerk.

Otto Neurath liest Stefan Zweigs "Die Welt von Gestern". Zwei Intellektuelle der Wiener Moderne im Exil - Buchpräsentation

Termin: 6. Mai 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Es diskutieren
Arturo Larcati, Herausgeber und Direktor des Stefan Zweig Zentrum der Universität Salzburg
Friedrich Stadler, Herausgeber und Permanent Fellow am Institut Wiener Kreis der Universität Wien sowie wissenschaftlicher Leiter der Wiener Kreis Gesellschaft
Katharina Prager, Digital Humanities, Wienbibliothek im Rathaus
Klemens Renoldner, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler

Der Polyhistor und Sozialreformer Otto Neurath (1882-1945) und der Schriftsteller Stefan Zweig (1881-1942) zählen zu den faszinierendsten Intellektuellen der verschwundenen jüdischen Kultur vom Wiener "Fin de Siècle" bis zur Zeit des Nationalsozialismus. Im Zentrum des Buches stehen Otto Neuraths kritische Anmerkungen in Stefan Zweigs Vermächtnis aus dem Exil, Die Welt von Gestern (1942), sowie in dessen Buch Castellio gegen Calvin (1936), verfasst als Kritik am Fanatismus und als Plädoyer für Toleranz. Die kritische Rezeption der Welt von Gestern (z.B. durch Hannah Arendt und Berthold Viertel) wird ebenso thematisiert wie das wechselseitige Verhältnis von Wiener Kreis und österreichischer Literatur vor und nach 1945. Ein dokumentarischer Anhang aus unpublizierten Nachlassdokumenten spiegelt weitere Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Kosmopoliten mit klarem Bekenntnis zur europäischen Aufklärung.

Dialogic: Sprache und Welt. Die Aktualität von Wittgensteins Sprachkritik zwischen Wissenschaft und Alltag - Diskussion

Termin: 27. April 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Es diskutieren
Elisabeth Nemeth, Präsidentin Österreichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft
Friedrich Stadler, Univ.-Prof. i.R. Universität Wien
Norbert Christian Wolf, Universität Wien, Institut für Germanistik

Ludwig Wittgenstein (1889-1951) hat mit seiner Logisch-philosophischen Abhandlung/Tractatus Logico-Philosophicus (1921/22) sowie mit seinen posthumen Philosophischen Untersuchungen Meilensteine für die globale Philosophie hinterlassen. In beiden Werken spielt die Sprache eine zentrale Rolle, wenn der Sinn eines Satzes oder die Bedeutung eines Begriffes ausgelotet und damit zugleich die Grenzen der Sprache behandelt werden.

Angesichts der gegenwärtigen öffentlichen Debatten über die Rhetorik in der Politik und in den Medien stellt sich die Frage, inwiefern Wittgensteins Werk für die heutige Sprachpraxis in Wissenschaft und Alltag relevant ist. Außerdem, ob der Ruf nach Klarheit und Exaktheit auch eine moralische Verpflichtung im so genannten postfaktischen Zeitalter darstellt.

Der private Loos. Zwischen Euphorie und Ernüchterung - Aus der Forschungswerkstatt

Termin: 22. April 2021, 17:00 Uhr
Ort: Loos-Räume der Wienbibliothek

Im Gespräch
Sylvia Mattl-Wurm, Kunsthistorikerin und Mitkuratorin der Ausstellung „Gehet doch schnell die Ausstellung besuchen ...!" und Mitherausgeberin der Publikation "Adolf Loos. Schriften, Briefe, Dokumente aus der Wienbibliothek im Rathaus"
mit Katharina Prager, Digital Humanities, Wienbibliothek im Rathaus, Karl-Kraus-Forscherin

Das Privatleben von Adolf Loos ist Gegenstand eines Gespräches der beiden Historikerinnen Sylvia Mattl-Wurm sowie Katharina Prager. Im Zentrum des Gespräches werden die drei Ehefrauen von Adolf Loos (Lina Loos, Elsie Altmann-Loos und Claire Beck-Loos) sowie seine englische Lebensgefährtin Elizabeth (Bessie) Bruce stehen. Thematisch eingebettet ist der Dialog in das Umfeld der späten Wiener Moderne, in welcher sich Adolf Loos sehr selbstbewusst bewegte, wie die lebenslangen Freundschaften zu Peter Altenberg, Karl Kraus oder Arnold Schönberg zeigen. 

Adolf-Loos-Forschung in der Albertina und im MAK - Aus der Forschungswerkstatt

Termin: 25. März 2021, 17:00 Uhr
Ort: Loos-Räume der Wienbibliothek

Im Gespräch
Markus Kristan, Kunsthistoriker und Bestandsverantwortlicher des Adolf-Loos-Archivs der Albertina
Rainald Franz forscht als Kunsthistoriker zu Architektur und Design der Wiener Moderne im MAK

Nach der gemeinsam für das MAK gestalteten Ausstellung „Adolf Loos. Privathäuser“ kommen Markus Kristan und Rainald Franz über ihre jüngsten Arbeiten zu Adolf Loos miteinander ins Gespräch. Markus Kristan, der in zahlreichen architekturgeschichtlichen Publikationen unter anderem auch über Adolf Loos und seinen Intimfeind Josef Hoffmann gearbeitet hat, wird als Betreuer des Adolf-Loos-Archivs der Albertina Innenansichten von der Arbeit mit diesem einzigartigen Bestand und dessen Präsentation im MAK geben.

Kooperationen nach der „Scheidung“. Wie die Zusammenarbeit funktioniert - Ausstellungsgespräch

Termin: 18. März 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Bernhard Hachleitner, Kurator der Ausstellung „Wien wird Bundesland. 100 Jahre Wiener Stadtverfassung und die Trennung von Niederösterreich", Historiker
mit Christian Rapp, Wissenschaftlicher Leiter Haus der Geschichte – Museum Niederösterreich

Die Gegensätze zwischen dem Roten und dem weitgehend christlichsozial dominierten ländlichen Niederösterreich bildete wesentliches Argument für die Schaffung des Bundeslands Wien. Die vollzogene Trennung verstärkte die Gegensätze vielfach, gleichzeitig kooperierten die beiden Länder in vielen Bereichen. Wo lagen die Bruchlinien? Wann und warum funktionierte die Zusammenarbeit? Welche Rolle spielten größere historische Entwicklungen? Welche Rolle spielten die handelnden Personen. Entlang dieser Themen diskutieren Bernhard Hachleitner und Christian Rapp, die dabei auch die Unterschiede zwischen Wiener und niederösterreichischen Perspektiven im Blick haben.

Gespräch zum Frauentag 2021: Zwischen Rebellion und Anpassung – Vor- und Nachlässe von Frauen in Bibliotheken und Archiven

Termin: 8. März 2021, 17:00 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Katharina Prager und Kyra Waldner, Wienbibliothek im Rathaus
mit Li Gerhalter, Sammlung Frauennachlässe, Universität Wien

Bibliotheken und Archive sammeln und erschließen Schriften und Dokumente von mehr oder weniger prominenten Persönlichkeiten und machen diese der Öffentlichkeit zugänglich. Die verwahrten Materialien dokumentieren größtenteils das Leben und Schaffen von Männern, während Vor- und Nachlässe von Frauen lange nicht den entsprechenden Eingang in nachlassverwaltende Institutionen fanden. Wie entstehen Vor- und Nachlässe von Frauen und auf welchen Wegen gelangen sie in Bibliotheken und Archive? Wer produziert, wer sammelt, wer erschließt, wer erforscht dieses Material? Wie können Bibliotheken und Archive auf diese Bestände aufmerksam machen und deren Erforschung vorantreiben? Diese und andere Fragen stehen zur Diskussion und sollen zu weiterem Nachdenken anregen, im Hinblick sowohl auf die bisherige Praxis als auch auf künftige Strategien.

Politische Karikaturen einst und jetzt. Zwischen Meinungsfreiheit und Selbstzensur - Ausstellungsgespräch

Termin: 18. Februar 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Christian Mertens, Kurator der Ausstellung „Wien wird Bundesland. 100 Jahre Wiener Stadtverfassung und die Trennung von Niederösterreich", Wienbibliothek im Rathaus
mit Severin Heinisch, Historiker und Direktor des Karikaturmuseums Krems 2000 bis 2004

Nicht erst seit dem islamistischen Attentat auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" im Jänner 2015 stellt sich die Frage, wie weit die bildliche Zuspitzung gehen darf. Karikatur steht immer im Spannungsverhältnis von Freiheit der Presse und der Meinungen sowie der Verantwortung des Karikierenden. Immer seltener finden sich politische Karikaturen in den Printmedien - aus Furcht vor Anfeindungen? Christian Mertens und Severin Heinisch beleuchten in diesem Gespräch Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Vergangenheit und Gegenwart und gehen grundsätzlichen Fragen der Meinungsfreiheit auf die Spur.

Schriften, Briefe und Dokumente. Der literarische Loos - Aus der Forschungswerkstatt

Termin: 11. Februar 2021, 17:00 Uhr
Ort: Loos-Räume der Wienbibliothek

Vortrag
Gerhard Murauer, Kurator der Ausstellung „Gehet doch schnell die Ausstellung besuchen ...! Schriften, Briefe und Dokumente von Adolf Loos in der Wienbibliothek", Wienbibliothek im Rathaus

Lebenszeugnisse, Briefe und unveröffentlichte Essays von Adolf Loos kamen 2008 mit dem "Nachlass Franz Glück" in die Obhut der Wienbibliothek im Rathaus. Der "literarische Loos" ist in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt. Gerhard Murauer, Kurator der aktuellen Ausstellung zu Adolf Loos in der Bartensteingasse 9, gibt Einblicke in originale Texte, präsentiert Briefe und Konversationshefte sowie Essays über Kunstgewerbe, Tischsitten, Ausstellungen und vielem mehr, die sich im Nachlass befinden.

Mit Büchern auf der Flucht. Die Bibliothek Felix Saltens - Aus der Forschungswerkstatt

Termin: 28. Jänner 2021, 17:00 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Vorträge
Marcel Atze, Leiter der Handschriftensammlung, Wienbibliothek im Rathaus
Franz Gangelmayer, Leiter der Druckschriftensammlung, Wienbibliothek im Rathaus

Seine Bibliothek war Saltens ganzer Stolz, dennoch musste er sich ab Sommer 1938 von vielen kostbaren Büchern trennen. Ab diesem Zeitpunkt stehen Buchverkäufe im Mittelpunkt der Einträge in seinen Taschenkalender. Briefe und andere Zeugnisse, die mit dem Nachlass Saltens 2015 und 2018 in die Wienbibliothek kamen, belegen, wie ihn der Verlust der kostbaren und seltenen Bücher bedrückt. "Mehr als die Hälfte meiner Bibliothek ist weg, viele kostbare, viele seltene Bücher", schreibt Salten an Hedwig Fischer - eine Korrespondenz, die in der Wienbibliothek im Rathaus verwahrt wird. Teile seiner Bibliothek aber konnte Felix Salten ins Schweizer Exil retten. Marcel Atze und Franz Gangelmayer berichten über die Flucht mit Büchern und die Rückkehr der Bibliothek Saltens nach Wien.

Hans Kelsen. Biographie eines Rechtswissenschaftlers - Buchpräsentation

Termin: 19. Jänner 2021, 18:30 Uhr
Ort: Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus

Einführung
Anita Eichinger, Direktorin der Wienbibliothek im Rathaus

Im Gespräch
Alfred Pfoser, Historiker
Thomas Olechowski, Rechtshistoriker und Autor

Hans Kelsen war nicht nur der „Architekt“ des österreichischen Bundes-Verfassungsgesetzes von 1920, sondern gilt heute als einer der einflussreichsten und wichtigsten Rechtswissenschaftler. Eine gründliche Biographie fehlte bisher, jetzt liegt sie nach jahrelanger Arbeit von Thomas Olechowski vor. Das Buch, das neue Maßstäbe in der Kelsen-Forschung setzt, kann als gründlich recherchierte Biographie im klassischen Sinn punkten, sie zeichnet darüber hinaus die Genese der „reinen Rechtslehre“ nach, widmet sich ausgiebig dem wissenschaftlichen Netzwerk Kelsens und rekonstruiert den transkontinentalen Wissenstransfer, der mit seiner Emigration in die USA stattfand.

 

 

 

Die Wienbibliothek im Rathaus stellt die gestreamten Veranstaltungen von 2021 zum Nachschauen bereit.
 

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